Wie und was denken Sie?

Denken ist all das, was sich als geistige Aktivität in Ihrem Kopf abspielt: wenn Sie Assoziationen folgen, Vorstellungen bilden, Erinnerungen wachrufen und Sprache benutzen, um etwas zu verstehen. Doch wo kommen all diese Gedanken in Ihrem Kopf her? Und wie können Sie klug mit Ihrem Denken umgehen?

  


Mindsets

 

An diesem Punkt im mbxp-Loop geht es ums „Denken“, sprich darum, „abstrakte Begriffe“ zu sammeln. Das können z.B. Begründungen, Annahmen, Konzepte, Theorien, Ideen, Metaphern, Betrachtungsweisen, Glaubenssätze, Motive, Interpretationen sowie Normen und Werte sein, die Sie bei sich selbst beobachten können und die Sie im Bezug auf Ihre Ausgangsfrage für wichtig erachten .

 


 

Mit Achtsamkeit den steten Strom der Gedanken bemerken

Wenn Sie innehalten, um bewusst Ihre geistige Aktivität zu beobachten, merken Sie recht schnell, dass Sie praktisch ununterbrochen denken. Und wahrscheinlich bemerken Sie auch, dass Ihr Denken größtenteils aus recht unbewussten Beurteilungen und Bewertungen Ihrer Wahrnehmungen besteht und darin, Vorstellungen und Meinungen über Dinge zu entwickeln. Wir alle haben bestimmte Vorstellungen und Ideen über die Wirklichkeit, die wir jedoch häufig von anderen Menschen übernommen, in Büchern gelesen, in Kursen gelernt oder in Zeitschriften oder im Fernsehen präsentiert bekommen haben. Auf Basis dieser Konzepte glauben wir zu wissen, wie die Dinge liegen und was als nächstes zu tun ist. Häufig führt dies dazu, dass wir statt der „Wirklichkeit“ oder dem was sich tatsächlich vor uns abspielt eher unsere eigenen Gedankenkonstruktionen oder die anderer Menschen wahrnehmen.

 

Bei einer genaueren Untersuchung der eigenen Gedanken erkennen Sie wahrscheinlich auch, dass Ihr Denken komplex, chaotisch, unvorhersehbar und häufig ungenau, unzusammenhängend und widersprüchlich ist. Diesen nie versiegenden Strom des Denkens nehmen viele Menschen meist nicht einmal bewusst wahr. Schlimmer noch: Unsere Gedanken scheinen eine Art Eigenleben zu führen! Dennoch erschaffen wir aus ihnen ständig neue Modelle der Wirklichkeit in Form von Ideen und Meinungen über uns selbst und andere und die Welt, und diese halten wir dann für wahr, während wir Anzeichen dafür, dass das Gegenteil der Fall ist, häufig leugnen.

 

 

Gedanken als Gedanken erkennen

Wenn uns nicht klar ist, dass Gedanken nichts weiter sind als Gedanken, können wir in praktisch jedem Bereich unseres Lebens in Schwierigkeiten geraten. Wenn wir dies hingegen wissen, kann uns das helfen, den Fallen auszuweichen, die unser Denken uns stellt.

 

Wir kommentieren uns und die Welt innerlich in einem fort. Wir urteilen über uns, glauben dann diesem Urteil, und indem wir es glauben, verengen wir die Sicht dessen, was real und was wahr ist. Unsere Sichtweise nimmt den Charakter einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung an. Dadurch schränken wir uns selbst und unsere Mitwelt ein, und wir werden blind für die in uns selbst und in anderen schlummernden Möglichkeiten der Transformation. Erst wenn wir diese starre Sicht der Dinge erkennen und überholte Überzeugungen loslassen, können wir die vielfältigen Dimensionen, die Komplexität, die Ganzheit und die beständige Veränderung aller Dinge und Menschen wahrnehmen.

 

 

Die eigenen Leuchttürme (er)kennen 

Doch selbstverständlich gibt es auch hilfreiche Gedanken! In einem der nächsten Schritte im mbxp-Loop werden Sie Ihre „Destinations“ erforschen. Diese Ziele im Leben zu haben ist wichtig, doch neben den Zielen, die wir anstreben, brauchen wir auch allgemeinere Vorstellungen darüber, wie unser Leben aussehen soll – dies sind unsere „Werte“. Ziele können erreicht oder verfehlt werden, für Werte gilt dies nicht. Sie stehen hinter den Zielen und speisen diese gewissermaßen. Werte beruhen auf Handlungen (denn wir schreiben Sie etwas zu) und mit Ihnen drücken wir aus, was uns wichtig ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Gedanken und Gefühlen ist dies ein Bereich, den wir bewusst beeinflussen und sogar kontrollieren können. Werte zu formulieren, Ziele daraus abzuleiten und diese Ziele dann in Handlungen umzusetzen ist etwas das wir tun – oder lassen – können. 

 

Mit Hilfe von Werten können wir uns an wünschenswerten Zukunftsszenarien ausrichten, wie an fernen Leuchttürmen. Dies ist besonders in „unübersichtlichen“ Situationen wie z.B. komplexen Entscheidungsprozessen oder bei mehrdeutiger oder widersprüchlicher Sachlage hilfreich (Fähigkeit zur Ambiguitätstoleranz). 

 

Kenn Sie Ihre eigene Leuchttürme? Wie möchten Sie Ihr Leben leben, welche Richtung wollen Sie einschlagen (z.B. in mit Freunden, Familie, Partnern; im Beruf oder dem Lernen; in Ihrer Freizeit, mit Ihrem Körper, etc.) ?

 

Auch wenn es gute Gründe gibt, nicht zu werten (siehe Achtsamkeit), so lässt sich doch sagen: Ein Leben ohne Werte funktioniert nicht, weder für die Gemeinschaft noch für das Individuum. Wichtig ist jedoch, sich in im Spannungsfeld der Bewertung/Nicht-Bewertung bewusst zu bewegen.

 

  

Experimente für mehr Bewusstheit in diesem Bereich:

 

  • Stellen Sie sich einen Timer auf 60 Sekunden und versuchen Sie, während dieser Minute NICHT zu denken. Was nehmen Sie wahr?
  • Experimentieren Sie nun damit, während einer Zeitspanne von 3 Minuten JEDEN Gedanken aufzuschreiben, der Ihnen durch den Kopf geht. Bitte zensieren Sie Ihre Gedanken nicht und schreiben Sie wirklich ALLES auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Ihre Gedanken fließen gewissermaßen vom Kopf durch den Arm in die Hand und durch den Stift aufs Papier. Wenn Ihnen vor Ablauf der Zeit nichts mehr einfällt, schreiben Sie „Mir fällt gerade nichts mehr ein.“ Was nehmen Sie wahr? Gibt es Gedanken, die sich wiederholen? Gedankenmuster?
  • Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob etwas ein wirklich wichtiger Wert für Sie ist, gibt es einen sehr einfachen Test. Um zu prüfen, ob es sich tatsächlich um eine eigene, persönliche Wertvorstellung handelt, fragen Sie sich: „Was wäre, wenn niemand davon etwas wüsste? Würde ich es dennoch tun?“ (z.B. Ins Museum gehen, Sport treiben, mich ehrenamtlich betätigen etc.)

Einige hilfreiche Fragen (zum Anklicken) an diesem Punkt:

Aus welcher Motivation heraus stellen Sie diese Ausgangsfrage (am Beginn des mbxp-Loops)?

Möchten Sie etwas erreichen? Oder etwas vermeiden? Geht es um Ihren Vorteil? Haben Sie auch andere Personen und deren Motive im Blick?

Weshalb ist das eine Frage/ein Problem für Sie?

Was wird bei Ihnen stark angesprochen oder angetriggert? Welche Normen, Werte, Auffassungen melden sich und sich gegebenenfalls verletzt?

Wie hilfreich oder hinderlich sind Ihre Überzeugungen in dieser Angelegenheit für Sie?

Sind Sie sich überhaupt bewusst, welche Glaubenssätze und Begriffsrahmen hier eine Rolle spielen?